(aus "Der Kirdorfer" 1/2007)
(mch) Jedem von uns ist sicher schon aufgefallen, dass die Preise der Lebensmittel, hauptsächlich Obst und Gemüse, dieses Jahr um 27% angestiegen sind. Aus diesem Grund dachten sich die Politiker, wir könnten den Hartz-IV-Bedürftigen doch ein paar Euros mehr zum Regelsatz zahlen. Diese paar Euros waren dann insgesamt jeweils 2 Euro. - 2 Euro! - Wie sollen diese 2 Euro ausreichen, um diese Erhöhung zu decken?
Anscheinend sollten ein paar Politiker nochmals die Schulbank der Mathematik drücken, um ausrechnen zu können, dass diese 2 Euro sich kaum auf der Einkaufsliste eines Hartz-IV-Bedürftigen bemerkbar machen.
Aber warum beschweren wir uns eigentlich. Sinn und Zweck soll es doch sein, zu lernen wie man abspeckt. Wir sind einfach zu dick. Deutschland ist zu dick. Also das bedeutet, je weniger Geld wir bekommen, desto schmaler wird Deutschland. Nur ist anscheinend manchen „wichtigen“ Menschen noch nicht aufgefallen, dass hauptsächlich die Armen, die schon am Existenzminimum leben, dicker sind, als die „Reichen“. Wir können uns hauptsächlich billige Kohlenhydrat-Produkte leisten, die natürlich auf Dauer dick machen. Die immer teurer werdenden gesunden Obst- und Gemüsesorten, werden von uns nur sehr sparsam gekauft oder fast gar nicht. Wir können uns solch einen Luxus sehr selten leisten.
Also was soll da noch abgespeckt werden? Wie ist abspecken denn definiert? Im Geldbeutel? Leider wird man dort nichts zum Abnehmen finden. Und die Pfunde, die wir zuviel drauf haben, sehen vielleicht auf den ersten Blick aus wie reich genährt, aber es bedeutet nur einfach und billig ernähren.
Aber billige Ernährung alleine wäre ja nicht das Problem. Es hapert eher an einer gesunden Ernährung. Wer sich nicht richtig ernährt, mit dem was der Körper braucht, läuft doch viel schneller Gefahr, sein Immunsystem zu schwächen, Mangelerscheinungen zu entwickeln und dadurch häufiger krank zu werden. Und dann endet das meist mit vielen Arztbesuchen oder sogar Krankenhausaufenthalten. Liegt ein Hartz-IV-Bedürftiger dann im Krankenhaus oder muss sogar zur Kur, soll auch das noch mit dem Hartz-IV-Regelsatz verrechnet werden.
Schließlich ernähre man sich während des Krankenhaus- und Kuraufenthaltes regelmäßig, da könnte man am Regelsatz doch Einsparungen vornehmen. Und wo sind jetzt unsere 2 Euro?
Weiter hinzu kommen noch die psychischen Probleme wie Frust, Lustlosigkeit und sogar Depressionen. Haben Sie schon mal einen glücklichen, ausgeglichenen Hartz-IV-Empfänger gesehen? Ich nicht !
Bedeutet abspecken jetzt hungern, krank und unglücklich sein? Machen mich die 2 Euro glücklicher? Ja, schließlich sollte ich dankbar und bescheiden sein. Aber werde ich davon satt und gesund?
Beschreiben wir also einen typischen Hartz-IV-Empfänger. Er ist dick, zu häufig krank, beschwert sich immer und ist zu faul um zu arbeiten.
Zu faul zum Arbeiten? Natürlich gibt es Ausnahmen, die sogar in den Medien sagen, sie haben keine Lust zu arbeiten und lassen sich lieber vom Staat finanzieren. Einerseits kann ich das gut verstehen, andererseits sind das aber nur wenige Ausnahmen. Viele von uns würden weitaus besser verdienen, wenn sie einen richtigen Job hätten. Aber den muss man erst einmal bekommen. Da werden Hunderte von Bewerbungen im Jahr geschrieben und meist ohne Erfolg. Man ist zu alt, man hat keinen Führerschein oder man ist nicht geeignet. Dabei nutzen wir doch diese Fortbildungsmöglichkeiten und strengen uns sogar richtig an. Es kann doch nicht am Alter liegen? Wir sind doch fit. Man muss uns doch einfach mal eine Chance geben, um dies beweisen zu können. Letzte Konsequenz: ein 1-Euro-Job. Nehmen wir den nicht, werden Sanktionen vom Regelsatz vorgenommen. Was soll das denn? Kennen Sie das Gefühl, hart zu arbeiten und Sie bekommen 1 Euro?
Zur Zeit wird ja heftig um den Mindestlohn gestritten: 7 Euro. Besser als 1 Euro! Aber wann soll dies seine Gültigkeit bekommen? Dürfen dann die Hartz-IV-Bedürftigen statt 1 Euro 7 Euro verdienen? Oder gilt dies wieder mal für diejenigen die schon eine Arbeitsstelle haben?
Wie weit muss es noch in unserer Bundesrepublik kommen? Immer mehr deutsche Staatsbürger wandern schon aus. Ist Deutschland ihnen etwa zu bürokratisch und ungerecht? Oder sehen wir gar nicht, dass andere Länder, wie z. B. Italien, Spanien, Griechenland oder die USA ein viel schlechteres System haben als wir. Aber möchte man sich wirklich mit anderen vergleichen, wenn es einem schlecht geht? Und es geht hier vielen schlecht.
Zwar sagt man, dass die Arbeitslosigkeit gesunken ist, aber ist sie das wirklich, ich meine, so auf Dauer gesehen? Oder liegt es rein zufällig an dem warmen Winter? Boom der Bau- und Metallbranchen. Was passiert, wenn es dieses Jahr wieder richtig kalt wird? Dann können die Bauarbeiter nicht so früh anfangen zu bauen! Dann fällt der größte Teil der Arbeitsfähigen wieder in die Kategorie Arbeitslos.
Und was ist mit den Arbeitslosen, die in der Aufzählung nicht mehr erwähnt werden, da sie jetzt einen 1-Euro-Job haben? Bin ich als 1-Euro-Jobber also nicht mehr arbeitslos? Bedeutet also nicht arbeitslos sein, einfach einen Job zu haben, obwohl man immer noch am Existenzminimum lebt? Schwarzarbeiter wären dann ja auch nicht arbeitslos, oder? Sie haben ja irgendwie eine Arbeit.
Immer diese leere Versprechungen. Wann hat dies ein Ende? Es sind keine Menschen 2. Klasse. Es sind Menschen, die ehrliche Hilfe benötigen von Mensch zu Mensch und von unserm Rechtsstaat - nichts anderes! Hoffentlich wird dies endlich mal begriffen. Lasst eueren Mund zu, wenn nur leere Versprechungen dabei raus kommen. Lasst Taten sprechen.