Von Stadtrat Wolfgang Herder (SPD) (aus "Der Kirdorfer" Juli 1999)
Wirksame Prävention kann nur gemeindenah und unter Einbeziehung der Bevölkerung geleistet werden. Auch hier ist es mehr als eine Binsenweisheit, wenn es heißt, daß Vorbeugen besser ist als Heilen.
Vor Ort weiß man am besten, welche Probleme besonders gravierend sind und vor Ort läßt sich mit gezielten Maßnahmen auf die Entstehungsbedingungen zielgerichtet hinwirken. Örtliche Initiativen verstärken das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung. Dabei ist es nachrangig, ob dies eine subjektive Empfindung ist oder ein objektiver Tatbestand.
Notwendig ist, daß sich die Menschen in unserer Stadt wohlfühlen, sie hier Heimat finden und frei von Bedrohung und ohne Ängste leben können. Dazu gehört auch den Nachbarn zu kennen und in guter nachbarschaftlicher Gemeinschaft zu leben. Wichtig ist nicht nur, gegenseitige Rücksichtnahme im Wohnumfeld, sondern in besonderer Weise auch die Achtung, Beachtung und Aufmerksamkeit gegenüber den anderen.
Die Stadtverordnetenversammlung in Bad Homburg hatte am 31. Januar 1997 beschlossen, den Magistrat zu bitten, "schnellstmöglichst einen Präventionsrat einzurichten, um die Sicherheit in unserer Stadt zu verbessern". In diesen Kreis wurden die Direktoren von Polizei und Amtsgericht, die Leiter von Gesamtschule und Ordnungsamt, sowie die Stadträte Heinrich Gerhold, Wolfgang Herder und später Dr. Ursula Jungherr berufen. Den Vorsitz hat jetzt OB Wolters.
Aggressionsabbau durch Sport
Unter dem Stichwort Prävention wurden eine ganze Reihe von Maßnahmen beraten. So ein Senioren-Sicherheitsprogramm, in dem ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger auf ein situationsbezogenes Handeln hin geschult werden, um ihnen vorhandene Ängste zu nehmen. Dann ein Zeugenbelobigungsprogramm der Polizei, um verantwortungsbewußte Bürgerinnen und Bürger ihre Bereitschaft als Zeuge zur Verfügung zu stehen, Anerkennung zu gewähren. Auch Nachbarschaftsinitiativen sollen gefördert und unterstützt werden. Bei den Beratungen des Präventionsrates wurde deutlich, daß obwohl ein Rückgang der Anzahl der Straftaten gegenüber den Vorjahren zu verzeichnen war, andererseits jedoch das Unsicherheitsgefühl innerhalb der Bevölkerung gestiegen ist. Vor dem Hintergrund zunehmender Fahrraddiebstähle wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, um die Voraussetzungen für mehr Sicherheit zu schaffen. Auch die Beschäftigung mit der Drogenproblematik nimmt breiten Raum ein. Vor den Sitzungen der Ortsbeiräte in den verschiedenen Stadtteilen standen Vertreter der Polizei für sicherheitsbezogene Fragen der Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung. Daß der Sport ein geeignetes Mittel zum Aggressionsabbau sein kann, zeigen die Erfahrungen in der Friedrich-Ebert-Schule.
Künftig will sich der Präventionsrat intensiver mit Vereinen und Vereinsringen, Stadtteilinitiativen, Kirchen und anderen gesellschaftlichen Gruppen zusammensetzen und durch eine gezielte Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit, die Bürgerinnen und Bürger direkt ansprechen.
Nur in einer Atmosphäre ohne Furcht und Angst, in guter Nachbarschaft mit anderen kann sich das Gefühl entwickeln: Hier bin ich zu Hause, das ist meine Stadt, das ist meine Heimat.