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"Blaumänner" in Bad Homburg

Von Jürgen Brogsitter, Betriebsratsvorsitzender Ringspann GmbH (aus "Homburger Spiegel" 1/2000)

Nein, ich muß wohl einem Mißverständnis vorbeugen - mit "Blaumännern" sind keine Arbeiter gemeint, die am Wasserhäuschen stehen und wohlverdientes Feierabendbier trinken. Gemeint sind Menschen, die traditionelle Handwerksberufe in den Firmen des produzierenden Gewerbes ausüben.

Wer kennt nicht die Horex-Werke, Hersteller einer weltbekannten Motorradmarke, später Daimler-Benz AG und heute Mahle Motorventile? Oder die Firmen LUK, P.I.V, Ringspann und die alteingesessen Unternehmen Fresenius , Uher, Assmann oder Vickers? Einige haben inzwischen Weltruf erlangt, wie die Firma Fresenius, die inzwischen im DAX 30 geführt wird, andere sind nicht mehr existent oder aus Bad Homburg weggezogen.

Anhand dieser klangvollen Namen kann man schon erkennen, daß die Herstellung von Gebrauchs- und Investitionsgütern lange schon in Bad Homburg ihren Platz hat. Der Anteil der Mitarbeiter, die dabei direkt in der Fertigung beschäftigt sind, liegt dabei oft noch über 50 %! Die Möglichkeit zur Erweiterung der Gewerbeflächen zur Standortsicherung - siehe die Diskussion um das ehemalige Vickersgelände - prägt die Zukunft dieser Unternehmen. Aufgabe der Lokalpolitik muß es sein, auch die klassischen Unternehmen des produzierenden Gewerbes zu fördern, um eine Dienstleistungsmonokultur im Branchenmix Bad Homburgs zu verhindern.

Viele Bad Homburger Bürger haben in den "Blaumann"-Betrieben gelernt oder kennen jemanden aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis, der dort arbeitet. Auf den Parkplätzen der erwähnten Unternehmen sieht man inzwischen aber auch viele Kennzeichen aus der ganzen Region. Die Bedeutung Bad Homburgs im Rhein-Main-Gebiet als Industriestadt ist also trotz des Bekanntheitsgrades als Kurstadt noch immer vorhanden. Gute Gewerbesteuerzahler sind hier gefragt, sowie Arbeitgeber, welche die Ausbildung in Berufen wie Zerspanungsmechanikern der verschieden Fachrichtungen wie Dreh- oder Frästechnik, Energieanlagenelektroniker, oder Industriemechaniker der Systemtechnik vornehmen. Junge Menschen finden hier zukunftsorientierte Arbeitsplätze, die ihnen Sicherheit bei ihrem Start ins Berufsleben geben.

Man kann schon anhand der Namen dieser modernen Ausbildungsberufe erkennen, daß die Zeit auch im produzierenden Gewerbe nicht stehen geblieben ist. Investitionen, gesteigerte Produktivität und kontinuierliche Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter sind sichere Zeichen für die erfolgversprechende Zukunft dieser Unternehmen.

Was sagt uns das für die Zukunft Bad Homburgs? Der Beruf im klassischen Blaumann, der Kollege, der in Jacke und Overall an der Werkbank steht, wird in Bad Homburg nicht aussterben.

Auch die SPD wird sich weiterhin dafür einsetzen, daß dies so bleibt. Mit der ganzen Kraft der Sozialdemokratie!